Luca Ferraro

HomeOffice

Ich muss zugeben: Das ist nicht immer mein Arbeitsplatz. Aber auf dieser Terrasse in den ligurischen Bergen macht das Schreiben am meisten Spaß. Hier, in meiner zweiten Heimat, kann ich mich am besten hinein versetzen in die Schönheit der Landschaft und die bunte Vielfalt der Menschen, die hier leben. Wenn ich in Berlin an meinem Schreibtisch sitze, dann zehre ich von den Erinnerungen an die Wärme der Riviera, den Geschmack des milden Taggiasca-Olivenöls und die verrückten Gerüche aus Genuas Gassen. Mal duftet es nach einem orientalischen Basar, mal nach intensiv grünem Pesto oder frisch gebackener Farinata, dann aber auch nach Unrat und billigem Parfum. Genua ist im Gegensatz zu Venedig oder Florenz kein begehbares Museum für Touristenmassen, sondern eine lebendige Stadt, in der die Gegensätze direkt aufeinander treffen. Schicke Boutiquen, vor denen spärlich bekleidete Prostituierte flanieren. Hippe Galerien, deren Kunden sich nicht stören an den herumlungernden Drogendealern. Traditionsreiche Trattorien, in denen all diese Menschen zusammen kommen. Liguriens Hauptstadt ist aufregend, spektakulär und wunderschön. Wo also könnte man besser blutrünstige Morde und spannende Verfolgungsjagden inszenieren als im Labyrinth der Carruggi, den düsteren Gassen von Genua.